Geheimsprachen Verlag

Hamburg – Münster

Buchcover

24,90 €

Erscheinungsdatum: 2. erweiterte Auflage 2009
132 S., mit CD „Hamburger Geheimsprachen“
ISBN: 3-00-009948-4

Die Kedelkloppersprook.

Geheimsprache aus dem Hamburger Hafen

von Klaus Siewert

Die Ketelklopper (Kesselklopfer) waren Hafenarbeiter, deren Hauptaufgabe darin bestand, in den Kesseln der Dampfschiffe den Kesselstein zu entfernen. Dazu bedienten sie sich spezieller Werkzeuge.

Unter den Hafenarbeitern waren die Ketelklopper wohl die am wenigsten angesehene Gruppe. Ein Gewährsmann: „Ketelklopper (Kesselklopfer) waren ja die Arbeiter, die auf den Werften in die Kessel der Dampfschiffe steigen und dort mit Hämmern den Kesselstein abklopfen mußten. Bei dem Höllenlärm in den Metalltanks war es kaum möglich, sich akustisch verständlich zu machen. So erfanden sie den Trick, die Konsonanten vom Anfang ans Ende eines Wortes zu legen und ein –i anzuhängen. Aus Dampfer wurde also Amperdi (S 7). In ihrer ursprünglichen Funktion war die Ketelkloppersprache also internes Verständigungsmittel unter kommunikativen Extrembedingungen. Sprachsoziologisch betrachtet war sie die exklusive Gruppensprache unter Ketelkloppern. Erst im zweiten Zug ist die Ketelkloppersprache schließlich zur Geheimsprache geworden.